Beispiel 1: “Margerite” von Katrin Tom-Wiltschko

SONY DSCKatrin ist Kabarettistin und Bauchrednerin (katrintom.com), aber sie fotografiert und malt auch. Das Bild, das sie mir schickt, bietet mir bereits ein sehr hochwertiges Ausgangsmaterial, das meinem Empfinden nach schon zu 90 Prozent  “fertig” ist.

Um auch noch die letzten 10 Prozent aus dem Bild “herauszuholen”, erschienen mir im Einzelnen folgende Punkte notwendig:

  • Mir war beim ersten Anschauen schon deutlich, dass das Bild quadratisch gedruckt werden sollte, denn die schwarzen Ränder links und rechts nehmen der Aufnahme etwas von dem “Sich-Entfaltenden”, das die Blüte ausdrücken möchte. Auch der weiße Fleck links unten nimmt etwas Gleichgewicht aus dem Bild und “zieht” zu sehr hinab.
  • Weiterhin nahm ich eine Anpassung der einzelnen Tonwerte (R, G, B) und eine Justierung der Farbbalance (separat für die verschiedene Helligkeitsstufen – Tiefen, Mitten, Höhen) vor, um den leichten grün-blau-Stich zu entfernen.
  • Problematisch fand ich, dass insbesondere der Blütenstängel fast mit dem Hintergrund verschwimmt.  Dieses Problem ließ sich lösen durch eine Kopie des gesamten Bildes in eine zweite Ebene. Diese Ebene wurde von mir so maskiert, dass am Ende nur noch der Stängel “durchschaute”. In der zweiten Ebene passte ich die Gradationskurve so an, dass der Stängel sich ein klein wenig deutlicher vom Hintergrund abhob, während der Rest des Bildes gleich blieb. Auch die längsgerillte Struktur im Stängel ist jetzt erkennbar.
  • Abgerundet wurde die Bearbeitung durch eine moderate Anpassung des Mitteltonkontrastes. So steht das Hauptmotiv vor der sanft-verschwimmenden Blüte im Hintergrund noch etwas klarer hervor.
  • Nach der Umrechnung der Auflösung in die optimale Druckauflösung (360dpi) schärfte ich das Bild entsprechend nach und versah es noch mit einem weißen Rand und einer dunkelgrauen Konturlinie.
  • Den Fine-Art-Print, wie er aus dem Drucker kam (*), schnitt ich schließlich quadratisch zu.

katrin_tw_margerite_600Insgesamt war mir bei der Bearbeitung am wichtigsten, die Leichtigkeit und Individualität der einzelnen Blütenblätter noch deutlicher fühlbar zu machen, als auf dem Ausgangsbild. Auch die Fliege links sieht aus, als ob sie gleich losfliegt.

Wenn ich dieser Leichtigkeit nachspüre, bekomme ich Gänsehaut im Nacken, spüre ein Kribbeln in der Brust und es löst sich ein Atemzug. :-)

Katrins spontane Reaktion: “Juhuuu die Post ist da!!! Voll cool, die Farben, der Ausschnitt und das Papier…”

(*) Anmerkung: Die Haptik und Textur des fertigen Fine-Art-Drucks lässt sich natürlich nicht hier am Monitor darstellen, d.h. Sie sehen hier das letzte Bild der Verarbeitungsreihe, wie ich es zur Ausgabe an den Drucker gesendet habe. Außerdem können Tonwerte und Helligkeit/Kontraste auf Ihrem Monitor abweichen vom Original, sofern Ihr Monitor nicht kalibriert ist.